
Leonberg, 03.09.2026 – Was 2016 mit dem ersten Hoffnungshaus in Leonberg begann, ist in zehn Jahren zu einem Wohn- und Integrationskonzept an 13 Standorten mit mehr als 40 Häusern gewachsen. Heute leben rund 800 Menschen aus 31 Nationen in den Hoffnungshäusern. Zum Jubiläum blicken die Hoffnungsträger auf zehn Jahre gemeinsames Wohnen, Begegnung und gesellschaftliche Teilhabe zurück – und mit dem neuen Quartier in Gaildorf zugleich nach vorn.
Von einer Idee zu einem Wohn- und Integrationskonzept
Hinter dem ersten Hoffnungshaus stand die Idee, ein Konzept für gelingende Integration zu entwickeln, angefangen beim Wohnen: Nur durch Begegnung können Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen. Daher verbindet die Hoffnungsträger Stiftung bezahlbaren Wohnraum mit einem sozialen Konzept: Menschen mit und ohne Fluchterfahrung leben zu etwa gleichen Teilen unter einem Dach, begegnen sich im Alltag, gestalten Gemeinschaft und teilen Leben und Glauben. Gesellschaftliche Teilhabe, Eigenverantwortung und stabile Nachbarschaften sollen so von Anfang an gelebt und erlebt werden.
Mit jedem neuen Standort kamen Erfahrungen hinzu und das Konzept entwickelte sich weiter. Gleich geblieben ist der Grundgedanke: Gesellschaftlicher Zusammenhalt braucht Begegnung verschiedener Menschen. Es braucht Beziehungen, Möglichkeiten zur Teilhabe und Räume, in denen Menschen einander im Alltag begegnen können.
Was gemeinsames Wohnen bewirken kann
Hinter den Zahlen stehen persönliche Geschichten und ganz unterschiedliche Lebenswege: vom Ankommen in einer zunächst fremden Umgebung über neue Kontakte und Freundschaften bis hin zu Bildung, Arbeit und wachsender Selbstständigkeit.
Eine Geschichte aus einem Hoffnungshaus verdeutlicht das besonders eindrücklich: Eine kurdische Familie mit vier Kindern musste aus der Türkei fliehen, weil sie politisch verfolgt wurde. Als sie nach Deutschland kamen, waren Angst, Unsicherheit und die Folgen schwerer traumatischer Erfahrungen ständige Begleiter. Noch heute kämpfen sie um ein dauerhaftes Bleiberecht. Im Hoffnungshaus wohnen sie mit einem alleinstehenden deutschen Mann Tür an Tür. Außerhalb des Hoffnungshauses hätten sich ihre Wege vermutlich nie gekreuzt. Durch die gemeinsame Nachbarschaft entstand jedoch eine enge Verbundenheit.
Heute gehören gegenseitige Hilfen selbstverständlich zu ihrem Alltag. Der Mann lässt seine Wohnungstür meistens offen, sodass die Kinder ganz selbstverständlich in beiden Wohnungen spielen, die Familie lädt ihren Nachbarn zum Essen ein. Gemeinsam nehmen sie an Aktionen des Hoffnungshauses teil und verbringen Zeit miteinander. Aus einer zufälligen Nachbarschaft ist eine tragende Beziehung entstanden, die beiden Seiten Halt und Freude schenkt.
Für Tobias Merckle, Gründer Seehaus e.V. und der Hoffnungsträger Gruppe, liegt darin eine zentrale Erfahrung aus zehn Jahren Hoffnungshaus:
„Als wir 2016 mit dem ersten Hoffnungshaus gestartet sind, wollten wir zeigen, dass Integration viel besser durch gemeinschaftliches Leben gelingen kann. Wir wollten einen Ort schaffen, an dem einheimische und zugezogene Menschen einander begegnen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Alltag gestalten. Zehn Jahre später zu sehen, wie sich diese Idee an 13 Standorten entwickelt hat und wie viele unterschiedliche Lebenswege damit verbunden sind, ist für mich etwas Besonderes. Wir hoffen, dass unser Modell Schule macht und noch mehr Hoffnungshäuser entstehen, aber auch ein Umdenken bei Kommunen, Land und Bund entsteht – weg von Ghettoisierung in Containerbauten hin zu integrativem Wohnen.“
Begegnung und Teilhabe im Alltag
Wie vielfältig das gemeinschaftliche Leben an den Standorten inzwischen ist, zeigen auch die Aktivitäten des vergangenen Jahres. 419 Bewohnerinnen und Bewohner kamen 2025 beim standortübergreifenden Begegnungstag zusammen.
Darüber hinaus schaffen Bildungs- und Begegnungsangebote konkrete Möglichkeiten für Teilhabe: 75 Kinder nahmen 2025 an vier Standorten am Matheferienprogramm „Zahlenhelden“ teil. Das Programm verbindet spielerisches Lernen mit gezielter Förderung und unterstützt Kinder dabei, ihre mathematischen Fähigkeiten zu stärken.
Auch der Spracherwerb spielt eine wichtige Rolle: In Leonberg und Straubenhardt treffen sich 69 Frauen mit Fluchthintergrund regelmäßig, um gemeinsam Deutsch zu lernen und sich über Alltag, Kultur und gesellschaftliche Themen auszutauschen.
Solche Angebote ergänzen das Zusammenleben im Hoffnungshaus. Sie schaffen Möglichkeiten für Begegnung, Bildung und Austausch und unterstützen Bewohnerinnen und Bewohner dabei, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln, eigene Perspektiven zu gestalten und sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.


Gaildorf: Erfahrungen aus zehn Jahren weitergedacht
Marcus Witzke, Vorstand der Hoffnungsträger Stiftung, sieht im neuen Hoffnungshaus-Quartier in Gaildorf einen wichtigen Entwicklungsschritt:
„Gaildorf markiert für uns einen weiteren Entwicklungsschritt. Hier entsteht weit mehr als ein weiteres Hoffnungshaus, sondern ein Quartier, in dem wir Erfahrungen aus zehn Jahren aufgreifen und weiterdenken.
Unterschiedliche Generationen und Lebenssituationen kommen zusammen, ergänzt um Räume für Begegnung und gemeinschaftliches Leben. Damit zeigt Gaildorf sehr konkret, wie sich das Hoffnungshaus-Konzept weiterentwickeln kann.“
Damit verbindet Gaildorf im Jubiläumsjahr Rückblick und Zukunft: Die Erfahrungen aus den bisherigen Standorten fließen damit unmittelbar in die Weiterentwicklung des Konzepts ein.
Auch die Gerhard und Ilse Schick Stiftung, die das Projekt als Förderer unterstützt, sieht in Gaildorf einen zukunftsweisenden Ansatz:
„Wir arbeiten mit der Haltung, uns zu fragen, was wir für die Gesellschaft tun können und in welcher Gesellschaft wir leben möchten. Das Hoffnungshaus bietet dabei weit mehr als nur Wohnraum: Es schafft eine langfristige Perspektive und ermöglicht durch begleitetes Wohnen echte soziale Integration. Die Bewohner werden von der Standortleitung unterstützt und im Alltag begleitet, wodurch Teilhabe und Gemeinschaft gefördert werden. Gleichzeitig gibt das Konzept die Möglichkeit, sich selbst für andere zu engagieren und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.“
Zehn Jahre Hoffnungshaus und der Blick nach vorn
Zehn Jahre Hoffnungshaus stehen vor allem für die Menschen, die das Konzept mit Leben füllen: Bewohnende mit und ohne Fluchthintergrund, Ehrenamtliche, Mitarbeitende sowie Partner und Unterstützer, die Gemeinschaft und Teilhabe an den Standorten mitgestalten.
Das Jubiläum ist deshalb nicht nur Anlass für einen Rückblick. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre bilden zugleich die Grundlage dafür, das Konzept weiterzuentwickeln und auch künftig Räume zu schaffen, in denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenssituationen miteinander leben und Verantwortung übernehmen können.
Save the Date: Eröffnung in Gaildorf am 24. Oktober 2026
Im Jubiläumsjahr eröffnet Hoffnungsträger am Samstag, 24. Oktober 2026, in Gaildorf das bislang größte Hoffnungshaus-Quartier.
Medienvertreterinnen und Medienvertreter erhalten an diesem Tag die Möglichkeit, das Quartier kennenzulernen, Interviews zu führen und Einblicke in die Weiterentwicklung des Hoffnungshaus-Konzepts zu erhalten.
Bitte merken Sie sich den Termin bereits heute vor. Eine gesonderte Presseeinladung mit Programm, Treffpunkt, Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern sowie weiteren Informationen folgt.
Gerne unterstützen wir Medien darüber hinaus bei Reportagen, Hintergrundgesprächen und Retrospektiven zu zehn Jahren Hoffnungshaus. Auf Wunsch stellen wir Kontakte zu Menschen her, die im Hoffnungshaus leben, das Konzept mitgestalten oder seine Entwicklung seit vielen Jahren begleiten.
Über die Hoffnungsträger
Die Hoffnungsträger Stiftung wurde 2013 von Tobias Merckle gegründet. Sie verfolgt das Ziel, Menschen dabei zu unterstützen, selbst Hoffnungsträger für andere zu werden. Unter dem Vorstand Marcus Witzke entstanden unter anderem integrative Wohnprojekte wie das Hoffnungshaus sowie internationale Programme für Straffällige und ihre Familien.
Zur Hoffnungsträger-Gruppe gehören heute unter anderem die Hoffnungsträger Projektentwickler GmbH, Hoffnungsträger Global Impact sowie Rosskopf + Partner. Die Tochtergesellschaft Sinngeber ermöglicht darüber hinaus wertebasierte Philanthropie für Menschen, die mit ihrem Engagement gesellschaftliche Veränderung unterstützen möchten.
Mit ihren unterschiedlichen Programmen verbindet Hoffnungsträger Hilfe zur Selbsthilfe, soziale Innovation und gemeinwohlorientiertes Handeln. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen dabei auf integrativem Wohnen, Restorative Justice und Philanthropie mit dem Ziel, gesellschaftliche Teilhabe zu stärken und nachhaltige Perspektiven zu schaffen.
Weitere Informationen:
www.hoffnungstraeger-gruppe.de
www.hoffnungstraeger.de
Filme zum Hoffnungshaus:
Visualisierung zum Quartier in Gaildorf
Leben im Hoffnungshaus
Hoffnungsträger im Quartier
